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Feinwaage: Was heißt „0,01 g"?

Kurz gesagt

„0,01 g" auf einer Feinwaage ist die Ablesbarkeit: der kleinste Schritt, in dem die Anzeige springt. Wie genau die Waage wiegt, sagt diese Zahl nicht. Schon das Runden der Anzeige kostet bei kleinen Mengen Genauigkeit, bei 0,1-g-Schritten und 0,5 g bis zu 10 %, und die eigene Abweichung der Waage kommt dazu: Eine geeichte Beispielwaage der Eichbehörde Niedersachsen mit 0,01-g-Anzeige darf im Gebrauch bis 500 g Last um 0,1 g danebenliegen. Wiege Pulverdünger deshalb lieber für die ganze Gießkanne ab als für einen einzelnen Liter, ohne Luftzug und bei Raumtemperatur.

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Häufige Fragen

Was bedeutet „0,01 g" auf meiner Waage?

Das ist die Ablesbarkeit, also der kleinste Schritt, in dem die Anzeige springt (Teilungswert d, OIML R 76-1). Über die Genauigkeit sagt die Zahl allein nichts (VIM). Bei geeichten Waagen richtet sich die erlaubte Abweichung nach dem Eichwert e, der bei Waagen der Klassen I und II größer sein darf als d, in der Regel bis zum Zehnfachen (OIML R 76-1). Ein Beispiel der Eichbehörde Niedersachsen: Anzeige in 0,01-g-Schritten, Eichwert 0,1 g, Mindestlast 0,5 g (Mess- und Eichwesen Niedersachsen, Merkblatt Edelmetalle 2020).

Warum zeigt meine Waage bei derselben Menge mal 0,49 und mal 0,51 g?

Meist sind es äußere Einflüsse: Luftzug, Temperaturunterschiede, magnetische oder elektrostatische Felder und die Handhabung (NIST 2019). Das Runden der Anzeige erklärt einen Sprung um zwei Schritte nicht: Dabei liegt der wahre Wert höchstens einen halben Schritt neben der Anzeige, bei 0,01-g-Schritten also 0,005 g (GUM). Abhilfe: die Waage ohne Luftzug und nicht neben Heizung oder Lüftung aufstellen, Waage, Becher und Pulver auf Raumtemperatur kommen lassen, die Aufwärmzeit laut Hersteller einhalten und sanft und mittig auflegen (NIST 2019).

Wie wiege ich kleine Mengen Pulverdünger möglichst genau ab?

Möglichst viel auf einmal: die Menge für die ganze Gießkanne statt für einen Liter. Bei 0,5 g macht allein das Runden einer 0,01-g-Waage bis zu 1 % aus, bei 5 g nur 0,1 % (unsere Rechnung nach dem GUM). Geeichte Waagen haben aus demselben Grund eine Mindestlast, unter der die relative Abweichung zu groß werden kann (OIML R 76-1, Bayerisches Landesamt für Maß und Gewicht 2021). Ein schwerer Becher hilft dabei nicht: Die Fehlergrenzen gelten für das Nettogewicht, also für das Pulver (OIML R 76-1).

Wie prüfe und justiere ich meine Feinwaage?

Prüfen: ein Gewicht bekannter Masse auflegen und die Anzeige vergleichen. Das Gewicht soll deutlich genauer sein als die Waage: Bei der Eichung darf sein Fehler höchstens ein Drittel der Fehlergrenze der Waage betragen (OIML R 76-1). Gewichte mit Klassenangabe haben bekannte Fehlergrenzen, ein 50-g-Gewicht der Klasse M1 zum Beispiel ±3 mg (OIML R 111-1). Justieren, also die Waage neu einstellen (VIM), nur nach Anleitung und mit dem Gewicht, das dort genannt ist. Vorher die Waage auf Raumtemperatur kommen lassen und die Aufwärmzeit des Herstellers einhalten (NIST 2019).

Brauche ich eine geeichte Waage?

Für das Abwiegen von Dünger für deine eigenen Pflanzen schreiben Mess- und Eichgesetz und Mess- und Eichverordnung keine Eichung vor. Für solche Waagen gelten die Vorschriften über „sonstige Messgeräte" (Mess- und Eichverordnung § 3). Wer im geschäftlichen Verkehr wiegt, muss eine geeichte Waage verwenden. Ein Beispiel ist ein Goldhändler, der seinen Kunden das Gewicht berechnet (Mess- und Eichgesetz §§ 31 und 37, Mess- und Eichwesen Niedersachsen, Merkblatt Edelmetalle 2020). Die Eichfrist beträgt zwei Jahre, soweit nichts anderes bestimmt ist (Mess- und Eichverordnung § 34). Das ist ein allgemeiner Hinweis, keine Rechtsberatung. Im Zweifel fragst du beim zuständigen Eichamt.

Alles im Detail lesen9 Abschnitte · ca. 5 Min. Lesezeit

1Was die 0,01 g auf der Waage bedeuten

Die Angabe „0,01 g“ auf einer Feinwaage ist ihre Ablesbarkeit. In den Vorschriften für Waagen heißt dieser Wert Teilungswert d: der Unterschied zwischen zwei aufeinanderfolgenden Anzeigewerten1.

Die Anzeige springt also in Schritten von einem Hundertstel Gramm. Wie nah sie am wahren Gewicht liegt, folgt daraus nicht. Das Internationale Wörterbuch der Metrologie trennt beides3:

  • Auflösung: Die Auflösung einer Anzeige ist der kleinste Unterschied, der sich sinnvoll unterscheiden lässt.
  • Messgenauigkeit: Sie beschreibt dagegen, wie gut ein Messwert mit dem wahren Wert übereinstimmt, und ist selbst keine Zahl.

Mehr Nachkommastellen bedeuten deshalb nicht von selbst, dass eine Waage richtiger wiegt.

2Eichwert und Fehlergrenzen geeichter Waagen

Bei geeichten Waagen richtet sich die erlaubte Abweichung nach einem zweiten Wert, dem Eichwert e.

Bei Waagen der Genauigkeitsklassen I und II darf er größer sein als d, höchstens das Zehnfache; nur bei Waagen der Klasse I mit d unter 1 mg darf er noch größer sein1.

Die Eichbehörde Niedersachsen nennt in einem Merkblatt von 2020 als Beispiel eine Präzisionswaage der Klasse II für den Handel mit Edelmetallen7:

Kennwert Wert
Teilungswert d 0,01 g
Eichwert e 0,1 g
Mindestlast 0,5 g
Höchstlast 600 g

Nach den Fehlergrenzen der OIML R 76-1 darf eine solche Waage bei der Eichung bis 500 g Last um 0,05 g abweichen, darüber um 0,1 g. Im Gebrauch gilt jeweils das Doppelte, die Verkehrsfehlergrenze (§ 22 Mess- und Eichverordnung)110.

Bis 500 g Last sind das 0,1 g, also zehn Schritte der Anzeige, gerechnet mit diesen Regeln*.

Andere Waagen haben andere Werte, bei manchen ist der Eichwert gleich d.

3Dazu kommt das Runden

Zeigt eine Anzeige mit dem Schritt d einen Wert, kann der wahre Wert mit gleicher Wahrscheinlichkeit irgendwo bis zu einem halben Schritt darüber oder darunter liegen4.

Zeigt eine Waage 0,5 g an, liegt der wahre Wert also*:

Anzeigeschritt Wahrer Wert Wie weit daneben
0,1 g irgendwo zwischen 0,45 und 0,55 g bis zu 10 %
0,01 g zwischen 0,495 und 0,505 g bis zu 1 %

Das gilt selbst für eine sonst fehlerfreie Waage, die eigene Abweichung der Waage kommt noch hinzu.

Eine Fehlergrenze nach den Eichvorschriften haben wir für die Taschenwaagen in unserem Shop nicht gefunden. Darum nennen wir für sie keine Genauigkeit.

4Je kleiner die Menge, desto größer der Fehler

Je kleiner die Menge, desto stärker fällt dieselbe Abweichung ins Gewicht.

Darum haben geeichte Waagen eine Mindestlast: Darunter können die Wägeergebnisse eine zu große relative Abweichung haben16. Bei der Beispielwaage aus Niedersachsen liegt sie bei 0,5 g. Mit ihrer Verkehrsfehlergrenze von 0,1 g sind das*:

Menge Mögliche Abweichung
0,5 g bis zu 20 %
5 g 2 %
50 g 0,2 %

5Tipp: die Menge für die ganze Gießkanne wiegen

Für Pulverdünger heißt das: Wiege lieber die Menge für die ganze Gießkanne ab als für einen einzelnen Liter.

Beispiel: Dünger mit 0,5 g pro Liter

Soll dein Dünger zum Beispiel mit 0,5 g pro Liter ins Gießwasser, sind das für 10 Liter 5 g. Dann macht das Runden mit 0,1-g-Schritten höchstens 1 % aus, mit 0,01-g-Schritten höchstens 0,1 %*.

Diesen Tipp leiten wir aus den Regeln zur Mindestlast ab*, wörtlich steht er in den Quellen nicht.

6Tara: der Becher zählt mit

Mit der Tara-Taste stellst du die Anzeige mit dem leeren Becher auf Null und siehst danach nur noch das Pulver1.

  • Genauer wird die Waage dadurch nicht: Die Fehlergrenzen gelten für das Nettogewicht, also für das Pulver allein1.
  • Mindestlast fürs Pulver: Für geeichte Waagen im Handel gilt außerdem, so das Bayerische Landesamt für Maß und Gewicht6 und ein Merkblatt der Eichbehörde Niedersachsen von 20208: Auch bei einer Wägung mit Tara muss das Nettogewicht mindestens die Mindestlast erreichen. Ein schwerer Becher macht aus wenig Pulver also keine große Menge.
  • Der Becher zählt zur Last: Bei einer Tara, die den Wägebereich verkleinert, bleibt für das Pulver entsprechend weniger bis zur Höchstlast1.

7Auch die Umgebung verfälscht die Anzeige

Das US-Messinstitut NIST nennt für Waagen im Labor als Fehlerquellen unter anderem Luftzug, fehlenden Temperaturausgleich, magnetische oder elektrostatische Felder und die Handhabung5.

  • Waagen sollen ohne Luftzug und nicht neben Heizungs- oder Lüftungsöffnungen stehen5.
  • Waage, Wägegut und Luft sollen gleich warm sein. Sonst entstehen über der Waagschale Luftströmungen, und die Anzeige kann falsch sein5.
  • Leg alles sanft und mittig auf. Starke Stöße können eine Waage beschädigen5.
  • Halte die Aufwärmzeit nach dem Einschalten ein, die der Hersteller deiner Waage empfiehlt5.

8Kalibrieren, Justieren, Eichen

Ob deine Waage stimmt, prüfst du mit einem Gewicht bekannter Masse: auflegen und die Anzeige vergleichen.

Fachleute trennen drei Begriffe:

  • Kalibrieren: Beim Kalibrieren stellst du nur fest, wie weit die Anzeige abweicht.
  • Justieren: Bei der Justierung wird die Waage neu eingestellt, und beides soll man nicht verwechseln3.
  • Eichen: Die Eichung ist eine behördliche Prüfung mit Kennzeichnung (§ 3 Mess- und Eichgesetz)9.

9Welches Prüfgewicht taugt?

Das Prüfgewicht sollte deutlich genauer sein als die Waage. Bei der Eichung darf es höchstens um ein Drittel der Fehlergrenze der Waage abweichen1.

Gewichte mit Genauigkeitsklasse haben feste Fehlergrenzen, zum Beispiel ein 50-g-Gewicht2:

Klasse Fehlergrenze
F2 ±1 mg
M1 ±3 mg

Beides ist weniger als ein Anzeigeschritt von 0,01 g, also 10 mg*.

Welches Gewicht deine Waage zum Justieren braucht, steht in ihrer Anleitung. Nimm dafür nur dieses Gewicht.

Mehr dazu

Quellen anzeigen (10)
  1. Non-automatic weighing instruments, Part 1: Metrological and technical requirements - Tests (OIML R 76-1) · International Organization of Legal Metrology (OIML), 2006
  2. Weights of classes E1, E2, F1, F2, M1, M1-2, M2, M2-3 and M3, Part 1: Metrological and technical requirements (OIML R 111-1) · International Organization of Legal Metrology (OIML), 2004
  3. International vocabulary of metrology (VIM), JCGM 200:2012 · Joint Committee for Guides in Metrology, BIPM (2012)
  4. Guide to the expression of uncertainty in measurement (GUM), JCGM 100:2008 · Joint Committee for Guides in Metrology, BIPM (2008)
  5. GMP 10: Good Measurement Practice for Understanding Factors Affecting Weighing Operations · National Institute of Standards and Technology (NIST), Office of Weights and Measures (2019)
  6. Bedeutung der Mindestlast bei Waagen (LMG M-22) · Bayerisches Landesamt für Maß und Gewicht, Stand 02.07.2021
  7. Informationen über den Einsatz von Waagen der Klasse II (Präzisionswaagen) beim Handel mit Edelmetallen · Mess- und Eichwesen Niedersachsen, Stand 12.03.2020
  8. Wägungen unterhalb der Mindestlast einer Waage · Mess- und Eichwesen Niedersachsen, Stand 11.12.2020
  9. Mess- und Eichgesetz (MessEG) · Bundesrecht, gesetze-im-internet.de (zuletzt geändert am 23.10.2024, abgerufen am 07.10.2026)
  10. Mess- und Eichverordnung (MessEV) · Bundesrecht, gesetze-im-internet.de (zuletzt geändert am 11.12.2024, abgerufen am 07.10.2026)

* Eigene Rechnung, Übertragung oder Einordnung der GrowNova-Redaktion auf Grundlage der genannten Quellen.

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