Was ist VPD und welcher Wert passt?
Kapitel im Video · 1:11
VPD (Dampfdruckdefizit) beschreibt, wie stark die Luft am Blatt Wasser zieht. Es hängt von Temperatur und Luftfeuchte zusammen ab: 60 % sind bei 20 °C zu feucht (0,66 kPa), bei 28 °C passend (1,09 kPa), jeweils mit einem Blatt 2 °C kühler als die Luft gerechnet. Als Richtwert gelten für die meisten Pflanzen etwa 0,7 bis 1,5 kPa (nach E. Runkle, Michigan State University).
Ausführlich erklärt
VPD steht für „Vapour Pressure Deficit", auf Deutsch Dampfdruckdefizit. Es beschreibt, wie stark die Luft am Blatt Wasser zieht. Die relative Luftfeuchte allein reicht dafür nicht aus, denn warme Luft kann mehr Wasserdampf aufnehmen als kalte. Dieselben 60 % auf dem Hygrometer bedeuten deshalb bei 20 °C etwas anderes als bei 28 °C. Erst Temperatur und Luftfeuchte zusammen ergeben das VPD, gemessen in Kilopascal (kPa).
Der VPD-Rechner im Shop rechnet mit der Magnus-Formel. Sie liefert zu jeder Temperatur den Sättigungsdampfdruck, also den höchsten Wasserdampfdruck, den die Luft bei dieser Temperatur haben kann. Das VPD ist der Sättigungsdampfdruck bei Blatttemperatur minus dem tatsächlichen Dampfdruck der Luft. Für das Blatt setzt der Rechner als Vorgabe 2 °C weniger als die Lufttemperatur an. Das ist ein Richtwert: Nelson und Bugbee (2015) fanden, dass Blätter von Pflanzen ohne Wassermangel typischerweise innerhalb von 2 °C um die Lufttemperatur liegen. Ein Beispiel mit 60 % Luftfeuchte: Bei 20 °C Luft und 18 °C am Blatt ergibt sich ein VPD von 0,66 kPa, die Luft ist zu feucht. Bei 28 °C Luft und 26 °C am Blatt sind es 1,09 kPa, das passt. Stellst du den Abstand im Rechner auf 0, bekommst du das VPD der Luft, nicht das des Blattes.
Als Zielbereich für die meisten Pflanzen nennt Erik Runkle von der Michigan State University 0,7 bis 1,5 kPa. Er bezeichnet seine Einteilung selbst als subjektiv, deshalb ist das ein Richtwert und keine feste Grenze. Eine Übersichtsarbeit von Yu und Kollegen (2023) nennt für die meisten Gemüsearten im geschützten Anbau tagsüber 0,50 bis 1,50 kPa als günstig. Tabellen mit eigenen VPD-Werten für einzelne Wachstumsphasen nennen wir bewusst nicht: Wir haben dafür nur Händlertabellen ohne wissenschaftliche Quelle gefunden.
Ist das VPD zu niedrig, bleiben Blätter lange nass und das Substrat trocknet sehr langsam. Das begünstigt laut Runkle viele Krankheitserreger. Shamshiri und Kollegen (2018) beschreiben für Gewächshäuser, dass sich Krankheiten und Pilzerreger bei hoher Luftfeuchte schnell ausbreiten. Ist das VPD zu hoch, kann die Pflanze unter Umständen nicht genug Wasser nachführen und schließt dann ihre Spaltöffnungen teilweise. Sie verliert dann weniger Wasser, nimmt aber auch weniger Kohlendioxid auf. Die Fotosynthese sinkt, das Wachstum wird langsamer.
Der Taupunkt ist die Temperatur, bei der die Luft mit ihrem Wasserdampf gesättigt ist. Bei 28 °C und 60 % liegt er bei 19,5 °C. Kühlt eine Fläche unter diesen Wert ab, etwa eine Zeltwand, wenn es nach dem Ausschalten der Lampe kälter wird, schlägt sich dort Wasser nieder. So beschreibt es auch der Deutsche Wetterdienst: Wasserdampf setzt sich an Gegenständen ab, deren Temperatur unter dem Taupunkt der umgebenden Luft liegt.
Für dein eigenes VPD brauchst du zwei Werte, gemessen zur gleichen Zeit an derselben Stelle: Lufttemperatur und relative Luftfeuchte. Ein Thermo-Hygrometer zeigt beides an. Die Werte trägst du in den VPD-Rechner ein und siehst dort auch den Taupunkt.
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Häufige Fragen
Welcher VPD-Wert ist richtig?
Einen einzigen richtigen Wert gibt es nicht. Für die meisten Pflanzen gilt 0,7 bis 1,5 kPa als Richtwert (Erik Runkle, Michigan State University, 2021). Für die meisten Gemüsearten im geschützten Anbau nennen Yu und Kollegen (2023) tagsüber 0,50 bis 1,50 kPa.
Warum reicht die Luftfeuchte allein nicht?
Weil warme Luft mehr Wasserdampf aufnehmen kann als kalte. 60 % relative Luftfeuchte ergeben bei 20 °C ein VPD von 0,66 kPa, bei 28 °C dagegen 1,09 kPa, jeweils mit einem Blatt 2 °C kühler als die Luft gerechnet.
Was passiert, wenn das VPD zu niedrig ist?
Blätter bleiben lange nass, und das Substrat trocknet sehr langsam. Das begünstigt laut Runkle (2021) viele Krankheitserreger. Shamshiri und Kollegen (2018) beschreiben für Gewächshäuser, dass sich Krankheiten und Pilzerreger bei hoher Luftfeuchte schnell ausbreiten.
Was passiert, wenn das VPD zu hoch ist?
Die Pflanze kann unter Umständen nicht genug Wasser nachführen und schließt dann ihre Spaltöffnungen teilweise. Dadurch nimmt sie weniger Kohlendioxid auf, die Fotosynthese sinkt und das Wachstum wird langsamer (Runkle 2021).
Was ist der Taupunkt?
Die Temperatur, bei der die Luft mit ihrem Wasserdampf gesättigt ist. Kühlt eine Fläche unter den Taupunkt der umgebenden Luft ab, schlägt sich an ihr Wasser nieder (Deutscher Wetterdienst). Bei 28 °C und 60 % liegt der Taupunkt bei 19,5 °C.
Mehr dazu
Quellen
- Water Vapor-Pressure Deficit · Greenhouse Product News, Erik Runkle (Michigan State University), November 2021
- Systemic effects of the vapor pressure deficit on the physiology and productivity of protected vegetables · Vegetable Research 3:20 (2023), Yu u. a.
- Review of optimum temperature, humidity, and vapour pressure deficit for microclimate evaluation and control in greenhouse cultivation of tomato: a review · International Agrophysics 32 (2018), Shamshiri u. a.
- Tauerscheinungen · Deutscher Wetterdienst, Wetterlexikon
- Analysis of Environmental Effects on Leaf Temperature under Sunlight, High Pressure Sodium and Light Emitting Diodes · PLOS ONE (2015), Nelson und Bugbee
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