Warum gehört ein Umluftventilator ins Zelt?
Kapitel im Video · 1:07
Abluft tauscht die Luft im Zelt aus, Umluft bewegt die Luft, die schon drin ist. Um jedes Blatt liegt eine dünne Schicht fast stehender Luft, durch die CO₂ ins Blatt und Wasserdampf hinaus muss. Bewegte Luft macht diese Schicht dünner und mischt warme, kalte und feuchte Nester. Schon sanfte Luftbewegung wirkt: In Klimakammer-Versuchen stieg die CO₂-Aufnahme vor allem bis etwa 0,2 m/s. Zu viel Wind schadet.
Ausführlich erklärt
Abluft und Umluft haben verschiedene Aufgaben. Die Abluft holt warme, feuchte Luft aus dem Zelt und lässt frische Luft nachströmen. Die Umluft bewegt und mischt die Luft, die schon im Zelt ist, sie tauscht nichts aus. In größeren Gewächshäusern sind dafür getrennte Systeme üblich (University of Alaska Fairbanks). Wichtig vorab: Alle Zahlen auf dieser Seite stammen aus Gewächshäusern, Klimakammern und Modellrechnungen. Studien speziell zu Growzelten haben wir nicht gefunden. Die Physik ist dieselbe, die genauen Werte sind aber nicht 1:1 übertragbar.
Um jedes Blatt liegt eine dünne Schicht fast stehender Luft, die Grenzschicht. Sie bremst den Austausch von Wärme und Gasen: Durch sie muss CO₂ ins Blatt und Wasserdampf hinaus. Wie dick sie ist, hängt vor allem von der Luftbewegung und der Blattform ab (Dupont und Kollegen 2025). Bewegte Luft macht sie dünner. In einer Modellrechnung von Dupont und Kollegen kamen bei 420 ppm CO₂ in der Raumluft an der Spaltöffnung bei schwacher Luftbewegung 350 ppm an und bei deutlich stärkerer 393 ppm. Kitaya und Kollegen (2003) fanden, dass Fotosynthese und Verdunstung stark davon abhingen, wie sehr die Grenzschicht den Gasaustausch bremst.
Schon wenig Luftbewegung wirkt viel. In Kammerversuchen mit Süßkartoffelblättern stiegen Fotosynthese und Verdunstung deutlich, als die Luftgeschwindigkeit von 0,01 auf 0,2 m/s stieg. Zwischen 0,5 und 1,0 m/s blieb die Fotosynthese fast gleich, während die Verdunstung weiter zunahm (Kitaya und Kollegen 2003). In einem Bestand aus Tomatensetzlingen war die Fotosynthese bei 0,2 m/s gesättigt (Kitaya und Kollegen 2004). Für Gewächshäuser nennt John Bartok von der University of Connecticut 50 bis 100 Fuß pro Minute, also rund 0,25 bis 0,5 m/s (Bartok und Grubinger 2019).
Mehr ist nicht besser. Starker Wind lässt die Pflanze mehr Wasser verdunsten und kann das Wachstum bremsen (Dupont und Kollegen 2025). Bei Salat in einer geschlossenen Kammer brachten 0,3 bis 0,5 m/s das meiste Wachstum, Werte über 0,6 m/s konnten das Wachstum bremsen (Peiro und Kollegen 2020). Die Hersteller unserer Umluftventilatoren nennen keine Luftgeschwindigkeit an der Pflanze. Wo ein Luftstrom angegeben ist, ist es der Höchstwert des Geräts. Stell den Ventilator deshalb sanft ein und richte keinen harten Dauerstrahl auf einzelne Blätter, das trocknet sie aus (Bartok und Grubinger 2019).
Die Luft soll über und durch die Pflanzen streichen und nicht unter ihnen hindurch oder an ihnen vorbei (University of Alaska Fairbanks). Tote Ecken, in denen die Luft steht, solltest du vermeiden (NC State Extension). Ob ein fester, schwenkender oder wechselnder Luftstrom am besten ist, ist nicht geklärt. Ein aktueller Überblick findet dazu keinen Konsens (Dupont und Kollegen 2025).
Ohne gute Durchmischung entstehen im Pflanzenbestand deutliche Unterschiede (Dupont und Kollegen 2025), etwa wärmere und kältere Stellen (Bartok und Grubinger 2019). Bei wenig Luftbewegung ist es direkt an der Blattoberfläche feuchter (Dupont und Kollegen 2025). Bewegte Luft lässt Blätter schneller abtrocknen und verringert kalte Stellen, an denen Wasser kondensiert (UConn Extension). Ausreichend bewegte Luft kann das Risiko für Grauschimmel (Botrytis) deutlich senken (NC State Extension). Allein verhindern kann ein Ventilator ihn nicht: Grauschimmel lässt sich nur mit mehreren Maßnahmen zusammen beherrschen, unter anderem mit weniger Luftfeuchte, kürzerer Blattnässe und guter Kulturführung (UConn Extension).
Oft heißt es, ein Ventilator mache dicke Stängel. Belegt ist: Pflanzen, die regelmäßig gebogen oder gebürstet werden, wachsen oft kürzer und mit dickeren Stängeln (Chehab und Kollegen 2009), meist auch mit festeren (Smith und Ennos 2003). Ein Luftstrom ohne Biegen hatte in einem Versuch mit Sonnenblumen aber den umgekehrten Effekt: höhere Pflanzen mit weniger festen Stängeln (Smith und Ennos 2003). Für deutliche Formveränderungen durch Wind nennt die Literatur Dauerwind von meist über 2 m/s (Dupont und Kollegen 2025). Das ist viel mehr, als für Umluft sinnvoll ist. Ein Versprechen für dickere Stängel geben wir deshalb nicht.
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Häufige Fragen
Ich habe schon eine Abluft. Brauche ich trotzdem einen Umluftventilator?
Abluft und Umluft erledigen verschiedene Aufgaben. Die Abluft ersetzt warme, feuchte Luft durch frische, die Umluft mischt die Luft im Raum und hält das Klima am Blatt gleichmäßiger. In größeren Gewächshäusern sind dafür getrennte Systeme üblich (University of Alaska Fairbanks). Eine Untersuchung speziell für Growzelte haben wir nicht gefunden.
Wie stark soll der Ventilator blasen?
Sanft. In Klimakammer-Versuchen stieg die CO₂-Aufnahme vor allem bis etwa 0,2 m/s, darüber nahm die Pflanze kaum mehr CO₂ auf, verdunstete aber weiter mehr Wasser. Für Gewächshäuser nennt John Bartok (University of Connecticut) rund 0,25 bis 0,5 m/s. Bei Salat in einer geschlossenen Kammer konnten Werte über 0,6 m/s das Wachstum bremsen (Peiro und Kollegen 2020). Richte keinen harten Dauerstrahl auf die Blätter.
Verhindert ein Ventilator Schimmel?
Nein, er senkt das Risiko. Bewegte Luft lässt Blätter schneller abtrocknen und verringert kalte Stellen, an denen Wasser kondensiert. Grauschimmel lässt sich nur mit mehreren Maßnahmen zusammen beherrschen, unter anderem mit weniger Luftfeuchte, kürzerer Blattnässe und guter Kulturführung (UConn Extension, NC State Extension).
Werden die Stängel durch den Ventilator dicker?
Nicht automatisch. Pflanzen, die gebogen oder gebürstet werden, wachsen oft kürzer und mit festeren Stängeln. Ein Luftstrom ohne Biegen hatte in einem Versuch mit Sonnenblumen den umgekehrten Effekt (Smith und Ennos 2003).
Senkt Umluft die Luftfeuchte im Zelt?
Sie macht das Klima im Pflanzenbestand und an den Blättern trockener, weil sie die feuchte Luft dort wegmischt (University of Alaska Fairbanks). Die Feuchte aus dem Zelt hinaus bringt die Abluft (UConn Extension). Darum braucht es beides.
Mehr dazu
Quellen
- Beyond the boundary: a new road to improve photosynthesis via wind · Journal of Experimental Botany 76 (2025), Dupont, van den Berg, Zhang, Moene und Vialet-Chabrand
- Effects of air current speed on gas exchange in plant leaves and plant canopies · Advances in Space Research 31 (2003), Kitaya u. a.
- Effects of air velocity on photosynthesis of plant canopies under elevated CO2 levels in a plant culture system · Advances in Space Research 34 (2004), Kitaya u. a.
- Air Distribution in a Fully-Closed Higher Plant Growth Chamber Impacts Crop Performance of Hydroponically-Grown Lettuce · Frontiers in Plant Science 11 (2020), Peiro u. a.
- Controlling the Greenhouse Environment (HGA-00336) · University of Alaska Fairbanks Cooperative Extension, Meriam Karlsson (2019)
- Horizontal Air Flow is Best for Greenhouse Air Circulation · Farm Energy (eXtension), John Bartok und Vern Grubinger (2019)
- Botrytis Blight on Greenhouse Crops · UConn Extension, Leanne Pundt (2024)
- Botrytis Blight of Greenhouse Ornamentals · NC State Extension (2024)
- Thigmomorphogenesis: a complex plant response to mechano-stimulation · Journal of Experimental Botany 60 (2009), Chehab, Eich und Braam
- The effects of air flow and stem flexure on the mechanical and hydraulic properties of the stems of sunflowers Helianthus annuus L. · Journal of Experimental Botany 54 (2003), Smith und Ennos
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